Kinderbetreuungskosten: Vereinfachte steuerliche Absetzbarkeit seit 2012

  1. Kindergeld
  2. Tarifeverzeichnis


Eltern investieren einen beachtlichen Teil ihres Einkommens in die Betreuung ihrer Kinder. Nicht zuletzt, weil sie oft Kind und Beruf miteinander vereinbaren müssen. Dennoch kommen Städte und Gemeinden den Anforderungen nach kostengünstigen Betreuungsmöglichkeiten noch nicht in ausreichendem Maße nach.

Der Staat unterstützt daher Eltern seit Jahresanfang dadurch, dass Betreuungskosten im Rahmen der Steuererklärung einfacher geltend gemacht werden können. Wurde bislang danach unterschieden, ob die entstandenen Kosten erwerbsbedingt oder nicht erwerbsbedingt waren, wird das Verfahren beginnend mit dem Veranlagungszeitraum (VZR) 2012 vereinfacht.

Persönliche Voraussetzung irrelevant, persönliche Voraussetzungen irrelevant
Eine Unterscheidung nach Werbungskosten respektive Betriebsausgaben entfällt somit. Die persönlichen Voraussetzungen bei den Eltern sind ab sofort irrelevant. Vielmehr können Kosten grundsätzlich als Sonderausgabe von der Steuer abgesetzt werden. Dabei gilt nach wie vor ein Höchstbetrag von 4.000 Euro pro Kind und Kalenderjahr, der etwa zwei Drittel der nachgewiesenen Gesamtkosten umfasst.

Anwendung findet diese Regelung auf alle Kinder, die das 14. Lebensjahr noch nicht vollendet haben oder vor Vollendung des 25. Lebensjahres eine körperliche, geistige oder seelische Behinderung erleiden, die sie hinsichtlich des Unterhalts abhängig von den Eltern macht. Bisher galt der Steuervorteil bei nicht vorliegen der vielfältigen Voraussetzungen nur für die Betreuungskosten von Kindergartenkindern, also vom vollendeten 3. bis zum 6. Lebensjahr.

Steuerentlastung prüfen - mehrere Wege sind möglich
Steuerpflichtige können also künftig ihre Steuerlast maßgeblich mindern. Sofern die nachstehend aufgelisteten Voraussetzungen im Einzelfall nicht vorliegen, könnte alternativ eine Absetzbarkeit der Betreuungskosten als haushaltsnahe Beschäftigung oder Dienstleistung in Erwägung gezogen werden.

Die neuen Voraussetzungen im Einzelnen
Steuerlich absetzbar sind Betreuungskosten unter folgenden Voraussetzungen: Es liegt eine Verwandtschaft 1. Grades mit dem Steuerpflichtigen respektive der Status des Pflegekindes vor und das Kind wohnt dauerhaft in der Wohnung des Steuerpflichtigen oder ist lediglich vorübergehend mit dessen Einwilligung anderweitig untergebracht. Bei getrennt lebenden Eltern wird der derjenige begünstigt, bei dem das Kind gemeldet ist.

Absetzbar sind diejenigen Kosten, die auf dem typischen Betreuungsaufwand beruhen. Soll heißen: Kosten für Tagesmutter, Kindergarten, Hort, Hausaufgabenbeaufsichtigung, etc. Nicht unter die abzugsfähigen Kosten fallen indes Ausgaben für Nachhilfe, Sport- und Musikunterricht, Sprachkurse, etc.

Rechnungen, die in Abzug gebracht werden wollen, müssen auf den Namen des Steuerpflichtigen ausgestellt sein. Die Rechnung muss per Überweisung auf das Konto desjenigen erfolgt sein, der die Betreuungsleistung erbracht hat. Achtung: Barzahlungen wie sie im Zusammenhang mit der Entlohnung für Babysitter üblich sind, können nicht abgesetzt werden.

Erfolgt die Betreuung durch Angehörige, können die Kosten abgesetzt werden, wenn sie auf einer sogenannten zivilrechtlichen Vereinbarung beruhen - idealerweise in Schriftform. Auch hier müssen die entstandenen Kosten durch Rechnung und Überweisung belegt werden.

Veranlagungsmodelle
Bei gemeinsamer Veranlagung von Eheleuten kann vernachlässigt werden, wer die Kosten tatsächlich verauslagt hat. Hingegen müssen zusammenlebende, nicht verheiratete Eltern für die rechtlichen Grundlagen Sorge tragen. So entschied der Bundesfinanzhof (BFH) unter dem Aktenzeichen III R 79/09, dass nur Kosten von der Steuer absetzen kann, wer diese tatsächlich nachweislich verauslagt hat. Im besten Fall unterzeichnet eben derjenige die Betreuungsverträge.

Ausgang des Musterrevisionsverfahrens vor dem BFH beobachten
Zusätzlich läuft unter dem Aktenzeichen III R 67/09 beim BFH ein Musterrevisionsverfahren, das die Verfassungsmäßigkeit des Höchstbetrages von zwei Dritteln der Gesamtkosten zum Inhalt hat. In der Folge ergehen die Steuerbescheide ab dem Veranlagungszeitraum 2006 vorläufig, während im Normallfall ein Einspruch notwendig wäre. Es wird empfohlen, den Ausgang des Verfahrens zu beobachten.


Mehr zum Thema:

 


Das könnte Sie auch intressieren: