Hausratversicherung getestet: Preise lassen nicht auf Qualität schlussfolgern

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Wie ein aktueller Test von Finanztest unter 134 Hausratversicherungen ergab, sind teure Hausratversicherungen selten ihr Geld wert. Ein Wechsel bringt nicht nur Ersparnis, sondern auch bessere Leistungen.

Bei kaum einer anderen Versicherung klaffen die Tarife der einzelnen Versicherer so weit auseinander wie bei der Hausratversicherung. Ein Wechsel kann sich für die Kunden in mehrfachem Sinne lohnen. Allen voran sind natürlich die Preisunterschiede zu nennen. Im Modellort Freital zahlen Versicherte beim Tarif Ammerländer Classic 46 Euro jährlich, für den Tarif Zurich MultiPlus Top hingegen müssen Versicherte glatte 211 Euro hinblättern. Das ist fast das Fünffache des günstigsten Tarifs im Test.

Köln stellte sich beim Test als teuerster Modellort heraus. Beim Versicherer OVAG kostet der teuerste Tarif im Jahr sage und schreibe 588 Euro, Versicherte der Grundeigentümer zahlen "nur" 107 Euro im Jahr. Allein diese Preisspannen zeigen, dass Kunden über einen Wechsel mehr als nur nachdenken sollten.

Wer nun glaubt, für einen teureren Beitrag auch mehr Leistung erwarten zu können, irrt meistens. Der einzige Versicherungsfall, der in allen Policen durchweg vertreten ist, ist der Einbruchdiebstahl. Allerdings gibt es hier gerade bei den teureren Tarifen Einschränkungen. Der Tarif Zurich Multiplus Basis sowie die Tarife mit Rundumschutz der DAS und der Victoria klammern den Diebstahl von Gartenmöbeln von der Terrasse oder vom Grundstück aus, wohingegen dieser Schadensfall bei insgesamt 97 Tarifen selbstverständlich dazu gehört. Und während 96 Tarife den Diebstahl aus einem Fahrzeug beinhalten, gehen Versicherte der DAS, Victoria und Zurich leer aus. Liegt kein Einbruch vor, werden aber aus gemeinschaftlich genutzten Räumen in Mietshäusern Geräte oder Gegenstände gestohlen, wird dies ebenfalls bei den drei genannten Tarifen nicht übernommen, sehr wohl jedoch bei 39 anderen Tarifen im Test, die überwiegend günstigere Beiträge zu bieten haben.

Neben dem schlechten Preis-Leistungs-Verhältnis monieren Kunden von Hausratversicherern die schlechte Kommunikation, einen unhöflichen Umgangston und lange Wartezeiten bis zur Regulierung eines Schadens. Auch die Wertermittlung ist für viele Kunden nicht nachvollziehbar, außerdem fließen die Informationen von Seiten der Versicherer schlecht. Das ging aus der Befragung von Versicherten vor der Durchführung des Tests hervor. Es wurden 77 Versicherte befragt, von denen 22 Personen mit ihrer Versicherung sehr unzufrieden sind, die übrigen 55 Kunden waren jedoch zufrieden.

Die Versicherungsbedingungen stellten sich im Test teilweise als recht undurchschaubar heraus. Versicherungskunden, die ihr Haus über einen längeren Zeitraum bei gekipptem Fenster verlassen, handeln laut Versicherungsklauseln grob fahrlässig. Ob und wie hoch die Versicherung dann den Schaden übernimmt, hängt davon ab, inwiefern die Fahrlässigkeit vom Versicherer als schwer beurteilt wird. Je nach Höhe der Schadenssumme ist in den Versicherungsbedingungen eine sogenannte „Einrede der groben Fahrlässigkeit“ enthalten. Bei 42 Tarifen können die Versicherten mit einer vollen Übernahme des Schadens bis zu einer bestimmten Höhe ausgehen. Ein tolles Verkaufsargument, welches bei 52 anderen Tarifen durch weitere, einschränkende Klauseln zunichte gemacht wird.

Vor allem die Allianz glänzt im Test mit vielen Einschränkungen. Diese beinhalten das Verlassen des Hauses für mehr als eine Stunde bei unverschlossenen Türen und Fenstern, das Rauchen im Bett, ein unzureichend beaufsichtigtes Feuer sowie sämtliche Gefahrerhöhungen und Verletzungen von Obliegenheiten (zum Beispiel die Pflicht des Kunden, für einen möglichst geringen Schaden zu sorgen). Und gerade bei der Allianz sind die Versicherungsbedingungen mit solchen Obliegenheitsklauseln gespickt.
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