Private Krankenversicherung: Hohe Provisionen im Kampf um PKV-Versicherte

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Verbraucherschutzministerin warnt vor Abschlussbonus für Makler und warnt von provisionsgetriebenen Versicherungsmaklern der privaten Krankenversicherungen im Kampf um Kunden.

Ilse Aigner, Verbraucherschutzministerin befürchtet, dass hohe Sonderbonusse für neue Vertragsabschlüsse ab 2011 bei der Tarifwahl zu Fehlentscheidungen führen könnten. Es ist zu erwarten, dass beim Werben um Neukunden ein Kampf zwischen den einzelnen Gesellschaften ausbricht, da von diesen bis zu 10.000 Euro Kopfgeld pro neuen Abschluss für die unabhängigen Makler versprochen wird.

Provisionshöhe contra individuelle Bedürfnisse

Bei der Tarifwahl wird das Interesse der Kunden vernachlässigt, da alleine nach der Höhe der Provision entschieden wird. Der Gesundheitszustand sowie die einzelnen Lebenssituationen sollten nach wir vor im Vordergrund stehen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Axa, Arag und Hallesche, die bereits in den Fokus der Verbraucherschutzministerin geraten sind, da gerade dort mit hohen Provisionen gelockt wird und Makler dadurch den Neukunden nicht mehr nach individuellen Bedürfnissen betreut. Auch im Wirtschaftsmagazin "Handelsblatt" hat Ilse Aigner angekündigt, den erst bekannt gewordenen Vertriebsmethoden mehrerer Gesellschaften einen Riegel vorzuschieben um Verbraucher vor "Kopfgeldjägern" zu schützen.

Die Sorge um die Verbraucher ist berechtigt , wenn man ein Beispiel aus einem Arag-Maklerschreiben zur Kenntnis nimmt: Die Gesellschaft bietet Ihren unabhängigen Maklern im Kampf um die größtmögliche Zahl an Neukunden einen sogenannten Qualitätsbonus an – damit lässt sich pro Kunde ein stattliches Sümmchen von "bis zu 10.000 Euro" pro Kunde verdienen. Freie Handelsvertreter bekommen viel mehr Provision als die Gesells haftseigenen Makler. Bei der Axa, die als der aggressivste Werbestratege der PKV-Branche gilt, gibt es bei Vertragsabschluss 100 Euro sofort plus zwei Monatsbeiträge Sonderprovision. Stefan Albers vom Bundesverband der Versicherungsberater ist mit solchen übertriebenen Aktionen nicht einverstanden, da die Unabhängigkeit des Versicherungsmaklers sehr eingeschränkt wird. Auch wird befürchtet, dass das Modell von ARAG und AXA vielleicht Schule machen wird. Sollten andere Gesellschaften auch so verfahren, haben alle Privatversicherten das Nachsehen, da die Abschlusskosten mit deren Beiträgen finanziert werden.

Eine Auflistung stellt die Kosten für Makler, Abschluss und Vertrieb anhand der Top-20 der PKV-Branche da. Ergebnis: Debeka (4,62% der Gesamtkosten) Huk-Coburg (3,88% der Gesamtkosten) und LKH (2,50% der Gesamtkosten) zahlen am wenigsten für Vertriebskosten, gefolgt von der Allianz mit 6,87%, der Axa mit 6,91% und der Süddeutschen mit 7,02%. Da Unternehmen jedoch die Freiheit haben, Kostenstellen hin und her zu schieben, kann das "Handelsblatt" nicht sagen, inwiefern diese Zahlen verbindlich sind.

Prämien wichtiger als Verkaufsargumente


Klaus Henkel, Vorstandsvorsitzender der Süddeutsche Krankenversicherung (SDK)
erlaubt sich offen auszusprechen: "Weniger als 150 Euro im Monat kann keine seriös kalkulierte private Krankenversicherung kosten". Proteste werden dann laut, wenn nach einigen Jahren die Beiträge an die Realität angepasst werden. Das heißt: Ausgaben für Krankenhausaufenthalte, Arzthonorare und Arzneimittel. Aber gerade die Billigtarife und die Struktur des Tarifangebotes sind es, die die Beiträge laut Henkel in die Höhe treiben.

Wir empfehlen daher, Angebote privater Krankenversicherungen genau miteinander zu vergleichen, und sich nicht von günstigen Lockangeboten und provisionsgetriebenen Maklern "überrumpeln" zu lassen.
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