Vermögen in Deutschland ungleich verteilt: Durchschnittlich 83.000 Euro pro Person

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Nach einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) besitzen die erwachsenen Deutschen durchschnittlich rund 83.000 Euro Nettovermögen. Allerdings ist die Verteilung der insgesamt rund 6,3 Billionen Euro Nettovermögen im Land höchst ungleich.

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Nach einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) besitzen die erwachsenen Deutschen durchschnittlich rund 83.000 Euro Nettovermögen. Allerdings ist die Verteilung der insgesamt rund 6,3 Billionen Euro Nettovermögen im Land höchst ungleich. So verfügt der reichste Teil der Bevölkerung über ein persönliches Vermögen von mindestens 800.000 Euro. Dagegen besitzt ein Fünftel aller Erwachsenen gar kein Vermögen, sieben Prozent haben sogar mehr Schulden als Besitz. Somit liegt der Gini-Koeffizient, das Maß für Ungleichheit, am höchsten in der Eurozone.

Nur USA ist das Vermögen noch ungleichmäßiger verteilt
In Deutschland lag er im Jahr 2012 bei 0,78. Je höher der Wert liegt, desto größer ist die Ungleichheit. Die maximale Ungleichheit wird bei einem Wert von Eins erreicht, die Verteilung ist optimal bei Null..Der Gini-Koeffizient beträgt in Frankreich 0,68, in Italien 0,61 und in der Slowakei 0,45. Lediglich die USA weist mit einem Wert von 0,87 in 2010 eine höhere Vermögensungleichheit als Deutschland auf.

Vermögensungleichheit kaum verändert
Die DIW-Verteilungsforscher Markus M. Grabka und Christian Westermeier haben gefördert von der Hans-Böckler-Stiftung eine Auswertung der neuesten Vermögensdaten der am DIW Berlin angesiedelten repräsentativen Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) für 2012 durchgeführt. Grabka erklärt, dass sich im Vergleich zu den Jahren 2002 und 2007 wenig an der Vermögensverteilung im Land geändert habe. Die Ungleichheit befinde sich konstant auf hohem Niveau. Allerdings mussten die Arbeitslosen mit deutlichen Vermögenseinschnitten fertig werden. Sie verfügten in 2002 noch über ein durchschnittliches Vermögen von rund 30.000 Euro, zehn Jahre habe es sich auf noch etwa 18.000 Euro reduziert.

Der Löwenanteil des Vermögens besteht aus Immobilien
Im Jahr 2012 lag das Bruttovermögen (ohne Fahrzeuge und Hausrat) der ab 17jährigen bei 7,4 Billionen Euro. Dem gegenüber lagen Schulden von 1,1 Billionen Euro. Der Hauptteil des Vermögens beim Grund- und Immobilienbesitz mit 5,1 Billionen Euro. Der Vermögensanteil der rund 40 Prozent der Erwachsenen, eine selbst genutzte Immobilie bewohnen, liegt durchschnittlich bei 141.000 Euro. Bei zehn Prozent der Deutschen gehören vermietete Wohnungen, Grundstücke oder Ferienwohnungen zum Immobilienvermögen. Das Grundvermögen von rund 47 Prozent der Erwachsenen liegt durchschnittlich bei 29.000 Euro. Bei 51 Prozent besteht das Vermögen aus privaten Versicherungen oder Bausparverträgen, die Durchschnittssumme lag bei 18.000 Euro.

Die Verschuldung stieg gegenüber 2002 von 27,5 Prozent innerhalb von auf 32 Prozent. Grobka weist darauf hin, dass man zwischen den Konsumentenkrediten in geringer Höhe, die immer mehr Menschen beanspruchen würden und dem Hypothekenteil deren Summe stiege, die Anzahl derjenigen, die sie beantragen, jedoch gleich bliebe, unterscheiden müsse.

Weniger Vermögen für Frauen, Ostdeutsche, junge Menschen und Eltern
Das Ost-Westgefälle besteht auch fast 25 Jahre nach der Wiedervereinigung noch. Der durchschnittliche Vermögenswert der Ost-Deutschen unterschreitet mit 41.0000 Euro den Vermögenswert der Westdeutschen (94.000 Euro) um mehr als die Hälfte. Die selbst genutzte Westimmobilie ist in etwa 115.000 Euro wert, das Wohneigentum im Osten ungefähr 88.000 Nach Verteilungsexperte Grabka erfolge eine Auseinanderentwicklung der Vermögenswerte erst mit Mitte 30. Die Vermögenswerte von Älteren im Osten lägen mit durchschnittlich 50.000 Euro signifikant hinter den Westdeutschen. Durch die entsprechend auseinanderklaffenden Nachlasshöhen werden auch die künftigen Generationen noch die Auswirkungen spüren.

Kinder machen arm
Die SOEP-Daten ergeben Vermögenswerte von Männern, die mit durchschnittlich 97.000 Euro rund 27.000 Euro höher als bei Frauen liegen. Alleinerziehende verfügen über ein besonders geringes Vermögen. Bei Alleinerziehenden mit zwei Kindern beträgt das Nettovermögen im Schnitt 21.000 Euro, mit einem Kind ungefähr 35.000 Euro. Doch auch bei zusammenlebenden Eltern gehen die Vermögen mit steigender Kinderzahl zurück. Während das Vermögen bei kinderlosen Ehepaaren im Schnitt bei 108.000 Euro lag, ging es bei einem Kind auf durchschnittlich 63.000 Euro, mit zwei Kindern auf etwas mehr als 50.000 Euro zurück. Drei oder mehr Kindern reduzieren das Einkommen im Schnitt auf 44.000 Euro. Alleinlebende 60jährige Männer haben mit 150.000 Euro das höchste Pro-Kopf-Vermögen.

Weiterhin hohes Niveau der Ungleichheit
Grabka erklärt, dass die Ungleichheit der Vermögen im Beobachtungszeitraum von drei Jahren konstant auf einem international sehr hohen Niveau verharrt. Die Verteilung des Vermögens in Deutschland ist am ungerechtesten in der Eurozone. Das durchschnittliche Nettovermögen wurde mit knapp 17.000 Euro vom Medianvermögen, dem Wert, der die vermögendere Hälfte der Bevölkerung von der ärmeren separiert, unterschritten. Das reichste Zehntel der Bevölkerung verfügte über ein Minimal-Nettovermögen von 217.000 Euro. Ein Vermögen von 110.000 Euro sichert in Ostdeutschland die Zugehörigkeit zu den reichsten zehn Prozent, im Westen benötigt man 240.000 Euro. Grabka erklärt, dass die vermögendsten Menschen tendenziell seltener an befragungsgestützten Statistiken teilnehmen würden, sodass die Zahlen oftmals die reellen Werte unterschreiten würden.




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